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Bei Hari Schütz

Hari Schuetz PresseDer Besucher/die Besucherin folgt dem jähen Knick des schmalen Vorzimmers, passiert eine Gründerzeitkommode samt Spiegel im Eck und wendet sich nach links; ihn/sie erwarten drei Räume. Drei magische Kammern, wäre man fast versucht zu sagen. Die gassenseitig gelegene ist, wie Küche und Schlafraum auch, schlicht, weiß: einige Bilder, die Bücherecke; Schreibtisch, Lesefauteuil; zwei Monitore gegenüber. Das ebenerdige Domizil, in einem ruhigen Seitengäßchen des dritten Wiener Gemeindebezirks gelegen, ist Hari Schütz Wohnung, Zeichenatelier, Studio in einem. Auch Wiener Anschrift, denn Schütz war fast die Hälfte seines Lebens im Ausland, unterwegs. Daß seine Reisetätigkeit, wie er gern behauptet, von 15 bis 22 währte, ist Understatement - und Györ längst Legende. Anfang der 80er Jahre mietet er sich dort, im kommunistischen Ungarn, in einem Plattenbau am Stadtrand ein, um ungestört Korrekturen an seinem Roman "Jägerlatein oder Die Jagd nach den Buchstaben" vornehmen zu können. Der Roman selbst entstand, entgegen anderslautender Anekdoten und Legenden, in Wien, und zwar während eines eigens dazu angenommenen Jobs als Nachtwächter. Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr in der Früh - immer noch seine favorisierte Arbeitszeit, "fern des Lebenslärms".

Harri Schuetz PressefotoAls eigentlichen Promotor und Mentor, der ihn sehr in seine musische Vorstellung ("quasi Du und die Welt") hineinbrachte, nennt Schütz seinen Großvater, einen Brünner Adeligen, der vor Hari Schütz auch die eigene Tochter wie einen Sohn erzogen hatte. Sie floh. Hari Schütz' ungewöhnlichem Geburtsdatum, nämlich Silvester 1955, steht der ungewöhnliche Geburtsort nicht nach: ein Kaffeehaus in Erdberg. Ecke Löwenherzgasse, wo dereinst Richard I. gefangeng enommen wurde ... "Romantisch wie die Malerei ist", so Schütz, "vormittags um 10 Uhr 55, die Silvesterfeier hatte früh begonnen". Ein zu spät gerufenes Rettungsauto brachte Mutter und bereits entbundenes Kind in die Rudolfstiftung.

"Malerei, wenn sie kunsthistorisch wird," konstatiert Schütz, "wird romantisch, selbst die analytische Malerei, selbst ein Mondrian. Weil sie zum Mythos wird. So auch meine Bilder, also fange ich gleich dort an. - Aber ich bin überhaupt kein krankhafter Romantiker." Nach unfreiwilliger Aufgabe seines großen Jugendstilateliers am Alsergrund 1992, das ordentlich etwas hermachte ("letzter Stock, acht große Fenster, wunderbar") und sich auch äußerst positiv auf Verkaufserfolge auswirkte, widmet sich Schütz wieder dem Zeichnen, seinem ursprünglichen, eigentlichen Metier.

Harri Schuetz PressefotoAls 17jähriger lernt Schütz auf einer Fahrt nach Portugal einige Wiesbadener kennen, die ihm das Beuys-Projekt Hessische Freie Kunsthochschule schmackhaft machen. Schütz fährt nach Wiesbaden, studiert zwei Jahre Freies Zeichnen ("mein Initiationsritus") und darf sogar in der Schule wohnen. Mit 20 fährt der ausgebildete Werbe- und Architekturphotograph nach Sizilien, hilft mit, Fiat-Autos in Orangenhainen und ähnliches abzuphotographieren. Drei Bücher hat er im Gepäck, die er als den eigentlichen, philosophischen Grund seiner Reise ansieht und für deren Studium er, von einigen Unterbrechungen abgesehen, anderthalb Jahre auf der Insel bleibt: Kierkegaards "Die Krankheit zum Tode", "Entweder-Oder" und Arthur Janovs "Der Urschrei". In Florenz lebt und arbeitet er, ebenso unterbrochen von zwischenzeitlichen Wienaufenthalten, von 1989-97. Schon während seiner Wiesbadener Studienzeit kommt ihm während einer Zugfahrt von Frankfurt nach Stuttgart blitzartig und unvermittelt ein Titel in den Sinn, der einiges auslösen wird. Aber reizvoller als die Niederschrift der zu diesem Titel in Aussicht genommenen Kurzgeschichte "Die Verführung zweier Jungfrauen in einem Vorort von Nancy" (wer verführt wen?) scheint ihm, den Gedanken selbst zu illustrieren. Was in Folge eine konsequente bildnerische wie literarische Auseinandersetzung mit Erotik evoziert. Das Leben in seiner Substanz ist nach Auffassung von Schütz erkennbar im Eros, in der Auseinandersetzung Sex & Tod; im katholischen wie im historischen, antiken Sinn. Sexus als existenzielle Grundlage, als Grundlage des Denkens, des Erkennens des Lebens. Als ein weiteres Fundament ist Kierkegaards - ihm bereits intuitiv vertraute - Weltvorstellung wirksam.

Harri Schuetz PressefotoAngesprochen auf Pornographie, verweist Schütz auf den befreundeten Künstlerkollegen Georg Biron, mit dem er des öfteren zusammengearbeitet hat, und den er schon kannte, "als dieser noch Qualtingers Stiefsohn war". Biron war auch einer der ersten, der über Schütz und auch über eine seiner früheren Wiener Bleiben, den "Schlauch" (eine 17 m2-Biedermeier-Wohnung, bestehend aus zwei hintereinanderliegenden länglichen Zellen, in der Hainburger Straße) schrieb. Ein dort unentwegt laufender Schwarzweißfernseher versorgte mit Bildern der Welt. Collage, "Eruption des Irrsinns". Zur gleichnamigen, im Herbst 1999 in St. Pölten gezeigten Ausstellung vermerkte Biron zu Schütz: "Er nimmt sich Fotos aus den Massenmedien und stellt sie bezüglich nebeneinander, holt sie aus der Isolation einer zerhackten Zeit. Hari Schütz will die Bilder des Lebens wieder zurechtrücken und sie in einen Zusammenhang bringen; Gegenwart und Vergangenheit verbinden; der sinnlosen Form einen Inhalt geben. Auf diese Weise erzeugt er Spannungsfelder und Irritation. Er bedient sich an den dekorativen Bildern der Welt und verleiht ihnen im Kontext eine neue Bedeutung: Liebe, Lust und Leidenschaft, Geburt, Krankheit und Tod eben nicht als verschiedene Abteilungen im Supermarkt."

Harri Schuetz PressefotoSeit 1981 stellt Schütz aus; Florenz, Genua, Rom, New York, Salzburg, zumeist aber in Wiener Galerien. Doch den einst so eifrigen Vernissagenbesucher wird man heute nur noch selten antreffen, Bemühung nach steter Präsenz und Kontakten wie vor 20 Jahren überläßt er den heute 20jährigen. Man trifft ihn gelegentlich im Bezirk, im von ihm mitinitiierten P.O.P.-Museum, der Galerie der People Of Passion, in der Reisnerstraße oder in Margits "Malipop" in der nahen Ungargasse. Ein auf mehrere Jahre Ausstellungsdauer angelegtes Projekt in einem architektonisch interessanten Cafe scheiterte vor ein paar Jahren fast am Pornographiegesetz. Beziehungsweise am Umstand, daß das an allen Seiten verglaste und ergo einsehbare Lokal am täglichen Schulweg einer Polizistentochter lag. Einige der ausgestellten Plastikfolienbilder (eindeutigen Inhalts) dieser begehbaren Skulptur mußten überarbeitet, "entschärft" werden.

Harri Schuetz PressefotoThema seines bislang einzigen, noch unpublizierten Romans "Jägerlatein oder Die Jagd nach den Buchstaben" ist die Auseinandersetzung seiner Protagonistin Karoline mit Sprache, Nonverbalem, mit Bildern, mit dem für Schütz zentralen Konnex von Gelesenem, Geschriebenem und Gesehenem, zwischen Literatur und visuell Aufnehmbaren. Wie gesagt, Bilder der Welt, Collage. Beeinflußt auch von Robbe-Grillet, "der ganze Bilderstafetten aufstellt mittels Buchstaben, mittels Sätze, aber in Wirklichkeit ist es eine Reise durch Bilder, durch Gänge, durch gefühlsmäßig bildnerische Natur." Im Bildnerischen entstanden in letzter Zeit seine Brandbilder, die heuer u. a. bei Wolfrum in Wien präsentiert wurden.

Dr. Dieter Scherr